Vorwort.
Wie ich in der Einleitung zu meiner :!>Grainmatik
der Sprache der Wahehe« in den »Mittheilun-
gen des Seminars fiir Orientalische Sprachen,
Afrikanische Studien, Jahrgang II 1899« schon hervor-
hobj ist der Name Wanyamuesi ein Sammelname fiir
alle das weite Land siidlich des Victoria Nyanza be-
wohnenden Stamme. Derselbe ist ihnen von den Kiisten-
leuten wahrscheinlicii in den ersten Jahren ihrer Wan-
derungen zur Ktiste beigelegt worden, weil, wie die
Kiistenleute sagen, sie aus der Richtung kamen, von wo
das erste Yiertel des Mondes (miiesi) erscheine; wohin
der Mond gehe, gingen auch aie nach Verlassen der
Kiiste.
Die Zahl der einzelnen Wanyamuesi-Stamme ist gross.
Als Hauptstamm gilt an der Ktiste allgemein der Stamm
der Wanyanyembe. Hiiufig genug hort man sogar
barra ya Unyanyembe fur ganz Unyamiiesi sagen, Nach
N. 8. O.W. von den Wanyanyembe wohnen die Stamme
Wassukuma (ssukuma = Norden), Watakama (takama
= Stiden) , Wakiya (kiya = Osten) und Wamtieli
(mueli ^ Westen). Die Spraclien der letzten drei
Yolkerschaften sind derjenigen von Unyanyembe sehr
ahnlichj zum grcissten Theile decken sie sich voUkommen
mit ihr, so dass sich diese Stamme ohne weiteres ver-
standigen konnen. Dasselbe gilt von der Sprache der
Wanawurambo (Warambo) und der Wassumbiia.
Ausser diesen seien noch folgende Stamme der
Wanyamuesi- Volkergruppe aufgefuhrtj die mir von meinen
Gewahrsleuten angegeben wurden: Wassagab, Wadussi,
Wakonongo, Wakwande, Wassagussi y Wanakiw^re,
Wanamhuge, Wanakigua , Wanaluwuga , Wanitulaj
VI
Wanambiyu , Wanawugunda , Wakilulumo, Wakimbu
Wayuwi, Wanamhewsi, Wanawnkune, Wiishietu, Wana-
limansunsu, Wanawossule , Wa\vakwe , Walapamiraj
Wantalanu, Wassilagi, AVanawiiyowa, Wanandala, Was-
sene, Wahingo, Waluiisewe^ Wakitamajiuo, Wanawus-
songo, Wanassamuye, Waniwanda, Wanliingiia, Wassa-
lalla, Wanawukollij Wanambogwe, Wanawushirombo.
So zahlreich wie die einzebien Stamme der Wanya-
muesi sind, so zahlreich siiid auch ihre Sprachen d. h.
die dialectischen Yerschiedenheiten des kinyaniuesi.
» kulla mny amiiesi k wa man eiio yake « ( j eder Mnya-
muesi hat seine eigeiie Sprache) pflegen die SuaheH an
der Kiiste von diesen Leuten zu sagen.
Die vorliegende Arbeit behandelt nun den Dialect
von Unyanyembe. Das sprachliche Material, welches
ich wahrend meines Aufeiithaltes in Ostafrika sanimeltey
verdanke ich drei Leuten aus Unyanyembe. Kassonaj
oder Sleman wie er sich an der Kiiste nannte, war ein
inteUigenter fiir meine Zwecke recht brauchbarer Mann
aus Unyanyembej der das Suaheli gut sprach und sehr bald
begriff, was ich alles von ihm wissen woUte. Durch seine
Yermittlung gelang es mir auch zwei Frauen aus Unya-
nyembCj Masselle und Mawansa, fiir meine sprach-
lichen Arbeiten zu gewinnen. Alle drei behielt ich circa acht
Monate lang in Daressalaam zu meiner Veifiigung, da
ich in Folge meiner vielen dienstlichen Obliegenheiten
beim Kaiserl. Gouveniement meist nur wiihrend meiner
Fi^eizeit an meine sprachlichen Arbeiten denken konnte.
Ich begann nun zunaclist mit diesen Leuten damit
das ganze Steere'sche Material in seinen ^Collections
for a handbook of the Nyamwezi language as
spoken at Unyanyembe« (London, Society for Tro-
motiiig Christian Knowledge) einer genauen Priifung zu
unterziehen. Diese Untersuchung ergabj dass Steere
auch viele Worte aufgenonunen hat, die Sprachgut
solcher Wanyamuesi-Voikerstamme sind, die sich mit den
Wanyanyembe weniger verstandigen konnen. Nach
Moglichkeit habe ich nun bei meinen weiteren Studien
mit diesen drei Leuten darauf gesehen, dass nur kinya-
muesi, wie es in Unyanyembe gesprocheii wird, bier Auf-
nahme fand. Selbstverstandlich kami es aber gar nicbt
ausgeschlossen sein, dass bei den geringen dialectischen
Grammatik
des
Kinyamuesi
der Sprache der Wanyamuesi
in
Deutsch-Ostafrika
speciell des Dialektes von Unyanyembe
nebst
einem Wortverzeiehniss
kiiiyaniuesi — deutsch
und
deutsch — kinyamuesi
von
Dp. C. Velten,
Lehror des Suaheli am Seminar fur Orientalische Spraohen, Berlin.
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Tandenboech und Ruprecbt
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